Kaffee in der Schwangerschaft & Stillzeit: Wie viel Koffein ist “erlaubt”?

Koffein und Kaffee in der Schwangerschaft und Stillzeit

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Kaffee, Cappuccino, Latte Macchiato, Espresso & Co. – ein zwei Tässchen gehören für viele einfach dazu. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit will man darauf möglicherweise nicht gänzlich verzichten. Vor allem deshalb, weil ein Kaffeegetränk ja auch mit Genuss, Entspannung und Wohlfühlen einher geht (ich spreche da aus eigener Erfahrung…).

Daher stellt sich die Frage, wie viel Kaffee bzw. wie viel Koffein ist in der Schwangerschaft und Stillzeit eigentlich “erlaubt”?

Da ich selbst ein absoluter Kaffeejunkie -fan bin, habe ich mir zu Beginn meiner Schwangerschaft die gleichen Fragen gestellt, wie du dir jetzt stellst: Wie viel Kaffee ist in der Kugelzeit in Ordnung? Hat Kaffee in der Schwangerschaft möglicherweise Auswirkungen auf das Baby oder den Verlauf der Schwangerschaft? Ist Koffein in der Stillzeit unbedenklich oder hat es auch Einfluss auf die Muttermilch und das Baby?

In diesem Artikel möchte ich dir daher Antworten auf deine Fragen rund um das Thema Kaffee in der Schwangerschaft bzw. Koffein in der Stillzeit liefern. Wie immer gilt: Bei Fragen ab damit in den Kommentarbereich!

Kein Kaffee in der Schwangerschaft? Wieso, weshalb, warum eigentlich?

In der Apotheken-Zeitschrift “Baby & Familie” wurde sich in einem Artikel zum Thema Kaffee mit dem Titel Kaffeekunde in Ausgabe 01/2020 auf eine norwegische Studie mit etwa 60.000 Schwangeren bezogen.

Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass Koffein sowohl Wachstum als auch Geburtsgewicht des Ungeboren ungünstigen beeinflussen kann. Kinder von Mamas, die Koffein in der Schwangerschaft aufnahmen, wogen im Durchschnitt weniger.

Andere Studien kamen lt. Artikel zu dem Ergebnis, dass Koffeingenuss ab 300 mg pro Tag nicht nur das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen könnte, sondern auch im Verdacht steht, die Durchblutung der Plazenta zu vermindern.

Die DGE kommt zu dem gleichen Schluss, dass die Koffeinzufuhr in der Schwangerschaft ein Risiko für fetale Wachstumsverzögerungen darstellen und negative Effekte auf das Geburtsgewicht haben kann. Darüber hinaus bestehe ein “(…) signifikant erhöhtes Risiko für einen Spontanabort ab 300 mg Koffein/Tag.” (DGEinfo, 2018).
– Lt. meinen Recherchen bezieht sich die DGE auf eine Studie von der CARE Study Group, 2010.

Koffein wirkt sich nicht nur auf den Stoffwechsel eines Erwachsenen aus, sondern beschleunigt auch den Herzschlag und regt das Nervensystem an. Wie stark diese Stimulation ist, ist ganz individuell und kann von Mensch zu Mensch schwanken.

Da Koffein im Darm schnell aufgenommen werden und auch die Planzenta passieren kann, wirkt sich Koffein beim Fötus und auch beim Säugling ähnlich wie bei der Mutter aus. So wird auch beim Fötus der Koffeinspiegel langfristig erhöht. (DGEinfo, 2007). Dies kann sich ungünstig auf das Herz-Kreislauf-System und das Nervensystem, welches dadurch angeregt wird, auswirken.

Wie oben bereits geschrieben, wurde in Studien – abhängig von der Höhe der Koffeinaufnahme in der Schwangerschaft – ein Zusammenhang mit dem Risiko für fetale Wachstumsverzögerung und negativen Effekten auf das Geburtsgewicht beobachtet (CARE Study Group, 2010)

Auf Koffein bzw. Kaffee im Speziellen muss allerdings nicht gänzlich verzichtet werden. Wie so oft gilt auch hier: Die Menge macht das Gift.

Wie viel Koffein in der Schwangerschaft oder Stillzeit erlaubt ist, liest du im nächsten Absatz.

Wie viel Koffein ist in der Schwangerschaft und Stillzeit erlaubt bzw. unbedenklich?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA, hat sich mit dem Konsum von Koffein auseinandergesetzt und hat diesbezüglich eine Risikobewertung vorgenommen. Das Gutachten geht auf die möglichen negativen gesundheitlichen Folgen durch Koffeinkonsum ein und greift u.a. auch Verzehr von Koffein in der Schwangerschaft und Stillzeit auf. Dabei gibt die EFSA folgende Empfehlung ab:

“Eine über den gesamten Tag verteilte Koffein-Aufnahme aus allen Quellen von bis zu 200 mg pro Tag ist für den Fötus unbedenklich.” (EFSA, 2015)

Auch die DGE, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, rät eher zu einem moderaten Koffeinkonsum und bezieht sich ebenfalls auf die Werte der EFSA (DGEinfo, 2018).

Eine Koffeinmenge von max. 200 mg/Tag gilt nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch in der Stillzeit, als unbedenklich.

Koffein in Kaffee und Kaffeegetränken

Entsprechend der obigen Empfehlungen sind das also wie viel ml Kaffee oder Kaffeegetränke in der Praxis? Hier ein paar Beispiele (Koletzko et al. 2018):

  • Ein Haferl Kaffee (ca. 200 ml) enthält ca. 90 mg Koffein
  • Ein Espresso (ca. 60 ml) bringt es ebenfalls auf ca. 80 mg Koffein

Darüber hinaus enthält:

  • eine Tasse Cappuccino (ca. 150 ml) ca. 80 mg Koffein
  • ein Latte Macchiato (ca. 200 ml) liefert ebenfalls ca. 80 mg Koffein

Wichtig ist zu erwähnen, dass der Koffeingehalt je nach Kaffeesorte, Röstung und Hersteller schwanken kann.

Koffein in Getränken & Lebensmitteln

Auch bedenken und berücksichtigen sollte man, dass Koffein nicht nur in Kaffee vorkommt. Auch andere Lebensmittel enthalten Koffein, allen voran z.B. Colagetränke, schwarzer und grüner Tee oder auch Kakao – was sowohl heißen Kakao, als auch Schokolade einschließt.

Solltest du also auch mal gerne Cola, Spezi, schwarzen oder grünen Tee oder eine Tasse heißen Kakao trinken, fließt das ebenfalls in dein tägliches Koffein-Kontingent ein. Ebenso wie der Genuss von Schokolade.

Gerade bei letzterem weiß ich aus eigener Erfahrung, dass Schokolade in der Schwangerschaft das Bedürfnis nach Süßem mehr als stillen kann. Bei mir konnten da Obst und Trockenfrüchte teilweise nicht mithalten. Aber hey, das ist menschlich und ich bin da voll auf deiner Seite 😀

Lesetipp:
Schwangerschaftsgelüste: Von SoulFood und Nährstoffen

Wichtig an dieser Stelle zu erwähnen ist, dass Genussmittel eben auch genau das sind: Mittel zum bewussten genießen.

Hinweis: In der veganen Ernährungspyramide findest du Tipps und konkrete Mengenangaben für die verschiedenen Lebensmittelgruppen.

Und bewusst genießen bedeutet nicht, Massen davon zu trinken oder essen, sondern eben kleine Mengen. Aber was bedeutet das nun wieder in der Praxis? (Koletzko et al. 2018)

  • Eine Tasse Schwarzer Tee (ca. 200 ml) entält ca. 45 mg Koffein
  • Eine Tasse Grüner Tee (ca. 200 ml) enthält ca. 30 mg Koffein
  • Ein Glas Cola (ca. 250 ml) bringt es auf 25 mg Koffein
  • Eine Dose Energydrink (ca. 250 ml) enthält 80 mg Koffein
  • Ein heißer Kakao (ca. 200 ml) bringt es auf 8 – 35 mg Koffein

Darüber hinaus enthält:

  • Eine halbe Tafel Zartbitterschokolade (ca. 50 g) ca. 25 mg Koffein
  • Eine halbe Tafel Vollmilchschokolade (ca. 50 g) rund 10 mg Koffein

Auch hierbei sind die Angaben als Näherungswerte zu verstehen, da Portionsgrößen und der Koffeingehalt je nach Lebensmittel schwanken können (EFSA, 2015).

Kurzum: Gegen einen heißen Kakao oder ein Stückchen Schokolade spricht an dieser Stelle absolut nichts. Eine ganze Tafel an Schoki ist hingegen schon anders zu bewerten.

Generell solltest du also in der Schwangerschaft und Stillzeit den Gesamt-Koffeingehalt pro Tag im Auge behalten.

Praxistipps: Kaffee in der Schwangerschaft & Stillzeit

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber mir persönlich ist der Koffeingehalt im Kaffee (wenn ich nicht gerade eine mega-schlechte Nacht hinter mir habe) grundsätzlich ziemlich egal. Ich trinke Kaffee wegen des Geschmacks und wegen dem, was der Genuss davon in mir auslöst und nicht, weil er Koffein enthält.

Kaffee trinken und Kaffeeduft vermitteln mir ein Gefühl von “die Füße hochlegen” und mit meinem Mann in Ruhe (wenn der Kleine schläft) ratschen. Das ist meine kleine Auszeit vom Alltag.

Daher möchte ich dir nachfolgend noch ein paar Praxistipps aus meinen eigenen Erfahrungen zum Thema Kaffee in der Schwangerschaft und Stillzeit geben. Mit diesen Tipps musst du zumindest geschmacklich nicht auf Kaffee und Cappuccino in der Schwangerschaft und Stillzeit verzichten.

Tipp 1: Koffeinfreier Kaffee in der Schwangerschaft

Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, koffeinfreien Kaffee zu trinken. Ich persönlich merke da keinen Unterschied, so dass auch der Geschmack nicht drunter leiden muss. Und dadurch kommt auch kein Gefühl von “ich darf keinen Kaffee in der Schwangerschaft und Stillzeit trinken” auf. Verzicht muss nicht sein – nur gewusst wie.

Tipp 2: Getreidekaffee in der Schwangerschaft

Eine weitere Möglichkeit ist, Getreidekaffee zu trinken. Am besten trinkst du ihn mit warmen Haferdrink, denn dieser hat vor allem während der Stillzeit einen positiven Nebeneffekt: Hafer lässt die Milch fließen, denn er gilt als milchbildend. Wissenschaftlich belegt ist dies zwar nicht, aber das macht auch nichts, denn schmecken tut’s allemal!

Hast du noch Fragen zum Thema Koffein bzw. Kaffee in der Schwangerschaft und Stillzeit? Pack deine Frage gerne in die Kommentare!

Quellenangaben
  • EFSA (2015), Scientific topic: Koffein; https://www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/caffeine
  • DGEinfo, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Einheitliche Handlungsempfehlungen für die Schwangerschaft aktualisiert und erweitert. DGEinfo (12/2018) 183-189.
    https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/bevoelkerungsgruppen/schwangere-stillende/handlungsempfehlungen-zur-ernaehrung-in-der-schwangerschaft
  • Koletzko B, Cremer M, Flothkötter M et al.: Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Geburtsh Frauenheilk (2018) DOI: 10.1055/a-0713-1058
  • DGEinfo, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Kaffee bzw. Koffein und Schwangerschaftsrisiken. DGEInfo 10/2007 – Beratungspraxis
  • CARE Study Group. Maternal caffeine intake during pregnancy and risk of fetal growth restriction: a large prospective observational study. BMJ 2008; 337: a2332
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