Vegan schwanger: Darum äußert dein Arzt möglicherweise Kritik und Bedenken

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Als ich vegan schwanger wurde, hat das bei mir einiges verändert. Nicht nur, dass sich der Körper Woche für Woche immer mehr verändert, sondern auch der Nährstoffbedarf steigt während der Schwangerschaft und Stillzeit für bestimmte Nährstoffe deutlich an.

Worauf muss man jetzt achten? Auf was kommt es besonders an? Wie bin ich aktuell versorgt? Und, und, und.

Alles Themen, die du sicherlich gerne mit deinem Arzt oder deiner Ärztin besprechen möchtest. … wäre da nicht dieses ungute Gefühl im Hinterkopf.

Vegane Schwangerschaft, vegane Stillzeit

Was wird er/sie wohl sagen, wenn man berichtet, dass man vegan schwanger ist und sich gerne auch weiterhin so ernähren möchte? Wird es Verständnis geben? Oder Ablehnung? Belehrende Worte? Kritik? Oder unterschwellige Beschuldigung? Dass dies doch nicht normal sei und dass man sein ungeborenes Kind durch die vegane Ernährung gar gefährde?

Da kann es manchmal schwer fallen, bei sich selbst zu bleiben und für sich selbst und sein ungeborenes Baby einzustehen. Weil man ja weiß, dass einem die vegane Ernährung gut tut und weiß, auf was man dabei für sich selbst achten muss. Und weil man eh bereits verantwortungsvoll handelt und um Rat und Beistand in dieser besonderen Lebensphase bittet und gerne eine Vertrauensperson an seiner Seite wissen möchte, die einem auf diesem (neuen) Weg unterstützt, berät und für einen da ist.

Aber leider sind Ärzte und Ärztinnen der veganen Ernährung – besonders in so sensiblen Phasen wie der Schwangerschaft und Stillzeit – oft eher kritisch gegenüber eingestellt.

Warum ist das so? Warum wird so oft Kritik an einer veganen Schwangerschaft oder Stillzeit geäußert?

Ich möchte dir hier mal vier mögliche Gründe aufzeigen, weshalb dein Frauenarzt oder deine Frauenärztin möglicherweise kritisch gegenüber einer veganen Ernährung eingestellt sein könnte.

Grund Nr. 1: Die Studienlage

Es gibt (leider) noch keine ausreichenden Studien zu veganer Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit.

Die aktuelle Studienlage zur Nährstoffversorgung bei veganer Ernährung im Allgemeinen ist teilweise nicht ganz eindeutig. Darüber hinaus gibt es aktuell noch nicht viele Studien zu bestimmten (veganen) Themen und damit einhergehend zur Nährstoffversorgung und dem erhöhten Bedarf in Schwangerschaft oder Stillzeit. Einige Studien ziehen für die pflanzliche Ernährung vegetarisch lebende Teilnehmer heran, während andere Studien aufgrund z.B. zu weniger Probanden keine aussagekräftige Ergebnisse für die Allgemeinheit schlussfolgern lassen.

Aus diesem Grund ist es auch für Ärzte und Ärztinnen schwierig allgemeingültige Ernährungs-Empfehlungen für die vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit auszusprechen.

Vegane Ernährungspyramide: Bunt und abwechslungsreich

Grund Nr. 2: Die Positionen der Fachgesellschaften

Fachgesellschaften – speziell die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (kurz: DGE) – äußeren sich teilweise kritisch zu veganer Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit oder sprechen sich dagegen aus.

Die Ergebnisse von Studien beeinflussen auch die Meinungsbildung von Fachgesellschaften.

So nimmt beispielsweise die DGE eher eine kritische Haltung gegenüber der veganen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit ein. Aus dem einfachen Grund, dass es in Phasen mit erhöhtem Nährstoffbedarf potenziell zu einer Unterversorgung mit einzelnen Nährstoffen kommen kann. Daher weist beispielsweise die DGE auf folgendes hin: “[…] Wer sich dennoch vegan ernähren möchte, sollte dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen, auf eine ausreichende Zufuhr vor allem der kritischen Nährstoffe achten und gegebenenfalls angereicherte Lebensmittel und Nährstoffpräparate verwenden.” (Quelle: DGE, 2016).

Wichtig an dieser Stelle finde ich zu erwähnen, dass sich hingegen die US-amerikanische, sowie die kanadische, australische und britische Fachgesellschaft für Ernährung jeweils positiv gegenüber einer veganen Ernährung in diesen (und generell in allen) Lebensphasen aussprechen. Alle weisen aber daraufhin, dass diese gut geplant und ausgewogen sowie ggf. um angereicherte Lebensmittel und Nährstoffpräparate ergänzt sein sollte (speziell Vitamin B12).

Grund Nr. 3: Vegane Ernährung setzt gutes Nährstoffwissen voraus

Es ist gutes Nährstoffwissen wichtig, um sich in der Schwangerschaft und Stillzeit gesund vegan – sprich: bedarfsdeckend – zu ernähren.

Da in der Schwangerschaft und Stillzeit der Bedarf an einigen Nährstoffen deutlich erhöht ist, ist es wichtig, dass du weißt, auf welche Nährstoffe bei veganer Ernährung es grundsätzlich besonders ankommt. Wichtig ist darüber hinaus, dass du weißt, in welchen Lebensmitteln diese Nährstoffe stecken, um sie mittels nährstoffschonender Zubereitung regelmäßig in deine Ernährung zu integrieren.

Stichproben zur Nährstoffversorgung bei veganer Ernährung zeigen, dass es diese potenziell kritischen Nährstoffe durchaus gibt. Grundsätzlich sind aber Veganerinnen meist über diese potenziell kritischen Nährstoffe informiert und wissen um deren Wichtigkeit. Dennoch kann dein Arzt oder deine Ärztin nicht einfach davon ausgehen, dass du dies weißt und geht lieber auf Nummer sicher und äußert möglicherweise Zweifel oder gar Kritik an dieser Ernährungsform.

Vegane Ernährung: Wichtige Bluttests

Wichtig ist auf jeden Fall, dass du bei veganer Ernährung deinen Nährstoffstatus regelmäßig kontrollieren lässt (z.B. mittels Bluttest) und entsprechend deines Versorgungsstatus ggf. auf Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine zurückgreifst (auf jeden Fall muss bei veganer Ernährung aber Vitamin B12 supplementiert werden).

Grund Nr. 4: Sie haben selbst keine Erfahrung damit

Das eigene Wissen rund um die vegane Ernährung ist vielleicht zu wenig, sie haben damit selbst keine Erfahrungen oder lehnen vegane Ernährung grundsätzlich ab.

Dies ist lediglich eine (meine) gewagte These, warum Ärzte und Ärztinnen möglicherweise abweisend reagieren können, wenn du vegan und schwanger bist oder stillst.

Grundsätzlich möchte ich dir raten, das Gespräch nicht kippen zu lassen – sollte es überhaupt so weit kommen.

Hilfreich ist es immer, wenn du dem Arzt bzw. der Ärztin zeigst, dass dir das Thema Nährstoffe in der veganen Schwangerschaft und Stillzeit genauso am Herzen liegt, wie ihm oder ihr und dass du dankbar bist, für seine/ihre Anteilnahme an deinem Wohlergehen und dem deines Kindes.

Wenn dich bereits eine langjährige positive und vertrauensvolle Beziehung zu deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin verbindet, mache deutlich, dass du diesen Weg gerne gemeinsam mit ihm oder ihr beschreiten möchtest und dass es dir wichtig ist (aus welchen Gründen auch immer) dich weiterhin vegan zu ernähren und dabei gerne seine/ihre Unterstützung haben möchtest. Ggf. kann an dieser Stelle auch seitens einer veganen Ernährungsberatung unterstützt werden.

Wie ist denn deine Erfahrung zum Thema: “Vegan schwanger – wie sage ich es dem Arzt”? Teile doch gerne deine Erfahrungen dazu in den Kommentaren!

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